Über mich

10563094_10203644227845180_8136279146578598391_nMein Name ist Martin und wurde im November 1984 in Bayern geboren. Nach einer schweren Kindheit – durch die Scheidung meiner Eltern und der Verstoßung meines Vaters – und sehr vielen turbulenten und entbehrungsreichen Jahren lebe seit dem September 2017 in Dornach bei Linz. Ich lebe gerne hier, besonders weil ich hier auch meinem Hobby – dem Singen und Theaterspielen – nachgehen kann.

Früher litt ich an Depressionen die ich mit außer- und nebenberuflichen Tätigkeiten versucht habe zu bekämpfen. Stattdessen habe ich mich mehr und mehr überarbeitet und bin ausgelaugter denn je. Ich hatte Übergewicht, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Probleme mit dem Magen. Hinzu kam, dass ich mit gerade mal 31 Jahren – und trotz einstiger beruflicher Erfolge in meinen Zwanzigern – keine einzige Perspektive mehr hatte – weder beruflich noch privat.

Im Januar 2016 ging ich in mich und habe über vieles nachgedacht und dabei dämmerte mir, dass ich im Grunde genommen nie für mich selbst da war. Ich hab beispielsweise seit der Trennung meiner Eltern die Beschützerrolle für meine Mutter eingenommen. Ich war immer für Familie, Freunde, Kollegen und andere da und habe Jobs gemacht weil ich sie machen musste, nicht weil ich sie machen wollte. Dies fing bereits in der Schulzeit an und hat sich bis heute in den Berufen denen ich nachging manifestiert.

Beispielsweise:
Nach der Volksschule wollte ich immer in eine Musikschule gehen – stattdessen wurde es die Hauptschule. Ich wollte Schauspiel und Gesang studieren – stattdessen habe ich Großhandelskaufmann gelernt. Ich blieb im Handel bis 2012 und stieg dann quer in eine Softwarefirma ein wo ich einst an einer Supporthotline saß und mir zeitweise wie die Seelsorge vom Dienst vorkam. Hinzu kommt – um eben auch über die Runden zu kommen – habe ich zeitweise auch nebenberuflich in einem Kino gearbeitet – was ziemlich Kräfte zerrend war.

Und dabei fragte ich mich:
„Ist das alles? Will ich den Rest meines Lebens unglücklich und alleine dahin vegetieren weil ich meine Träume nicht leben konnte? Will ich weiterhin auf Jobsuche sein um dann nach jeder Bewerbung festzustellen, dass ich trotz gutem Lebenslauf nicht die nötigen Qualifikationen oder Ausbildungen habe? War/Ist das meine Perspektive?“

Und die Antwort? Nein!
Es wurde Zeit etwas zu ändern! Nur wie?

Eigentlich wollte ich schon ein Jahr zuvor entschleunigen und den Lechweg gehen – auf Grund einer Rolle in einem Musical verschob ich dieses Vorhaben und wollte im Juli 2016 diesen Weg entlang pilgern. Der Lechweg ist 125 Kilometer lang – nach meinen Berechnungen wäre ich in wenigen Tagen diesen Weg gewandert. Kann man sich in so kurzer Zeit selbst finden? Wohl kaum!

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Als Cleanté im Stück „Der eingebildete Kranke“ im Barocktheater Lambach.

Im Dezember 2015 lief im Kino die Verfilmung von Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal Weg“ an. Ich muss gestehen ich habe den Film nicht gesehen und habe auch das Buch nicht gelesen. Dennoch war ich von diesem Plakat des Films fasziniert. Üblicherweise sieht man als Angestellter in einem Kino – wenn man die Saal Aufsicht hat – die letzten Minuten der Filme bevor man dann zum Abspann die Leute aus dem Saal entlässt. Diese wenigen Minuten des Films ließen mich über den Jakobsweg nachdenken.

Immer öfter fiel mir darauf ein, dass ich gar nicht erst nach Lech am Arlberg fahren müsste um dann den Lechweg nach Füssen zu gehen wenn doch in Lambach sowieso der Jakobsweg entlang verläuft.  Ich spielte immer mehr mit dem Gedanken den Jakobsweg zu pilgern und sprach natürlich auch mit Freunden darüber. Günter – ein Freund und Musicalkollege – erzählte mir dann von dem Film „Dein Weg“ mit Martin Sheen. Ich sah mir diesen ebenso an und war immer mehr geneigter, doch etwas hielt mich noch zurück. Ich kaufte mir das Hörbuch von „Ich bin dann mal weg!“ und recherchierte immer mehr über diesen Weg. Ich dachte lange darüber nach und änderte dann mein Leben schrittweise.

Ich beendete im Februar 2016 meinen Nebenjob im Kino. Kurz darauf setzte ich meinen Teamleiter in der Software Firma in Kenntnis, dass ich mit Juli mein Dienstverhältnis beende. Ich nahm mir eine vor sich hin rottende Wohnung in Gallspach und bin dort „eingezogen“. Und ich habe beschloss mir eine Auszeit zu nehmen und mich selbst zu finden in dem ich den Jakobsweg von Lambach aus nach Santiago de Compostela und noch weiter pilgere.

Ich gelang zu der Erkenntnis, dass ich entweder weiter so dahin vegetieren könnte und auf eine Lebensperspektive zu warten die nicht kommen wird oder sie auf dieser Reise zu suchen. Am 4. Juli 2016 begann ich meine Reise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Danach sollte es über Barcelona und dem dortigen Besuch meiner Cousine auf den Rückweg zu gehen – dann aber mit dem Flugzeug und sicherlich mit einer neuen Perspektive.

 

Und doch kam alles anders….

40 Tage war ich am Jakobsweg unterwegs, ehe ich mich dazu entschloss in Fribourg (französische Schweiz) abzubrechen und nach Hause zu fahren. Ich habe mich selbst gefunden und menschlich weiterentwickelt. Ich stand nun endlich selbst zu mir und ich wusste was ich von mir und vom Leben wollte. Der Weg zeigte mir durch viel seelischen und körperlichen Schmerz eine neue Perspektive. Innerhalb kürzester Zeit änderte sich mein nun Leben schlagartig. Ich wurde zum Schauspieler und Sänger im „Heaven and Hell: Das Black Wings Musical“, wurde bei einer Künstleragentur unter Vertrag genommen, sang den Judas in „Jesus Christ Superstar“, bestritt als Hauptsänger die „Style in Motion: Perfomance Night“, gründete mit zwei weiteren Menschen in Linz-Dornach eine WG, arbeite als Assistent für einen Grafiker, wurde Gesellschafter einer Akademie in der Erwachsenenbildung und habe nun das große Glück als Schauspieler und Sänger auf ein Kreuzfahrtschiff zu gehen.

Das verblüffende – die Reise ging jedoch nie zu Ende.