Die Proben starten und ein paar Gedanken

Morgen ist es soweit – die Proben beginnen. Ich freue mich schon ziemlich drauf. Denn nun lerne ich auch meine neuen Kollegen kennen. Wie werden sie sein? Werde ich mich gut mit ihnen verstehen? Klar, das werde ich erst in den nächsten Tagen genauer wissen wenn man sich etwas beschnuppert hat.

Berlin offenbart langsam das Gesicht, dass ich so noch nie gesehen habe. Mir begegnen an den S-Bahnhöfen sehr viele Obdachlose die auf der Straße liegen und ihr Dasein in mehreren Decken gehüllt auf dem kalten Straßenboden fristen. Selbst in Linz habe ich das so noch nicht gesehen. Hier in der Hauptstadt Deutschlands begegnet mir das täglich. Viele Obdachlose haben dazu noch einen Hund der ihnen treu zur Seite steht. Einer dieser Obdachlosen in der Nähe meiner Unterkunft hat einen Gipsfuß. Sylvio – mein Mitbewohner im Quartier – erzählte mir, dass die Wunde des Mannes kaum behandelt wird und dass der Fuß eigentlich schon schwarz sei, denn er hat den kaputten Fuß im Sommer gesehen bzw. gerochen. Hätte ich das Geld oder die Möglichkeit ich würde dem Mann gerne irgendwie helfen. Ich denke ich werde morgen zu ihm mal gehen und ihn fragen ob er was braucht oder ob ich ihm irgendwie helfen kann. Ich weiß, ich höre mich nun an wie Mutter Theresa, aber ich hab am Jakobsweg einst jemanden versprochen Menschen zu helfen und mein versprechen möchte ich wenn es geht irgendwie halten. Mir ist klar, dass ich nicht viel ausrichten kann aber ich denke ein Versuch ist es allemal Wert.

Ich frage mich wie sowas sein kann, dass Menschen in der westlichen Welt auf der Straße sitzen müssen? Die westliche europäische Union hat eine riesige Anzahl von reichen Ländern und dennoch fallen Personen immer wieder durch den Rost und sitzen im Winter auf der Straße – von der Gesellschaft vergessen und nicht mehr beachtet. Wir nehmen – Gott sei Dank – zigtausende Menschen aus Kriegsgebieten solidarisch auf und versorgen sie, unsere Regierungen haben in den letzten Jahren Billionen in marode Banken und Staaten gesteckt und dennoch bei sehr vielen Obdachlosen ist eine Versorgung vom Staat aus kaum möglich. Warum? Für mich ist das nicht erklärbar und da ist es egal welche politische Seite dieses Problem anspricht. Im Endeffekt passiert nichts – im Gegenteil es wird weiter in vielen Dingen gekürzt und das Wahlvolk jubelt. Politische Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Sind wir mittlerweile alle so besessen vom Geld und Konsum, dass wir rundherum nicht sehen wollen/können was um uns geschieht? Bemerken wir denn erst die Probleme wenn wir unmittelbar persönlich betroffen sind? Sind wir denn alle bereits so blind und dumm geworden? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht! Was denkt ihr denn? Schreibt mir, mich würde eure Meinung sehr interessieren.